(zusammengestellt
von Karl-Heinz Gronwald)
In Markgröningen
ist unsere Stadtkapelle heute wohl allen bekannt. Sie ist zu einem feststehenden Begriff
im kulturellen Leben unserer Stadt geworden sowie über die Stadtgrenzen hinaus eine gern
gehörte und gesehene Bereicherung zahlreicher Festivitäten.
Ihre Existenz ist
eine solche Selbstverständlichkeit, dass man gar nicht auf den Gedanken kommt, es könnte
sie einmal nicht gegeben haben. Und doch war es vor mehr als sieben Jahrzehnten so.
Zum Glück gab es
damals Männer, die Freude an der Musik hatten, dazu noch die Begabung, Musik zu machen
und den Mut, einen Musikverein zu gründen. Neben diesen
Tugenden gehörte aber eine gehörige Portion an Standfestigkeit dazu, sonst hätte der in
schwerer Zeit gegründete Verein seine ersten fünf Jahre nicht überstanden.
Die 75
Jahre seines Bestehens aber sind Grund zu den Feiern im Jahre 1995. Darum gebührt
seinen Gründern und jenen Männern, die ihm als Funktionäre ein solides Fundament gelegt
haben, vollste Anerkennung und aufrichtiger Dank.
Der
Weg, den der Verein seither genommen hat, sei hier kurz umrissen: Als Initiator der
Gründung muss Albert Meile betrachtet werden, denn er unternahm den entscheidenden
Schritt vom Gedanken zur Tat. Der letzte Satz des Protokolls der Gründungsversammlung, an
der am 13. November 1920 im Gasthaus zum Löwen" 17 Personen teilnahmen, lautet
nämlich wörtlich: Hier sei noch zu berichten, dass der Musikverein von Albert
Meile ins Leben gerufen worden und er Gründer des Musikvereins ist." Er wurde auch
von den 17 Gründungsmitgliedern gewählt, sein erster Vorstand zu sein. Paul Schmückle
stand ihm als Kassier zur Seite, Adolf Beurer als Schriftführer.
Kurz nach der
Gründung wurde der Verein gleichzeitig Feuerwehrkapelle und trat dann bald mit einer
Gründungsfeier an die Öffentlichkeit. Die Verschmelzung mit dem Theaterverein half mit,
schon die erste Weihnachtsfeier zu einem verheißungsvollen Auftakt werden zu lassen.
Der Verein gewann
Ansehen. Neben neuen aktiven Mitgliedern meldeten sich auch passive an. Eine wesentliche
Bereicherung im kulturellen Leben unserer Stadt nahm so ihren Anfang.
Alljährliche
Weihnachtsfeiern, Herbst- und Sommerfeste, ebenso Maskenbälle brachten neben ungezählten
gelegentlichen Anlässen musikalischen Schwung in die Mauern der altehrwürdigen Stadt.
Im Jahr 1922 wurde Adolf Späth erster Vorstand, dem 1923 - 1926 Christian Weller folgte. Die schwierigen Jahre der Nachkriegszeit, auch geprägt von der Inflation, erschwerten die Suche nach gangbaren Wegen und fähigen Funktionären. In regem Wechsel, oft nur für eine Wahlperiode, seien hier die Mitglieder Karl Ritz, Adolf Schneider, Karl Josenhans, Paul Siegel, Friedrich Stierle, Gotth. Jahke, Karl Krieger und Ferdinand Weimer genannt.
Die
musikalische Leitung der Blaskapelle hatte seither Paul Stierle, dem bis 1926 Joseph
Müller als Dirigent folgte, nur unterbrochen im Jahre 1925 durch die Stabführung von
Ernst Schein. Von Anfang an pflegte man auch Streichmusik - zeitweise sogar Zither- und
Mandolinenspiel im Verein.
Ab 1922 Teilnahme
am Schäferlauf
Seit dem ersten
Schäferlauf nach dem Krieg, im Jahre 1922, spielte der Musikverein an diesen Tagen zum
Tanz in verschiedenen Lokalen der Stadt. Die eigentliche Festmusik war aber einer
auswärtigen Militärkapelle vorbehalten.
Im
Jahr 1926 übernahm Walter Fricke die musikalische Leitung. 1927 wurde Richard Egler die
Vereinsführung übertragen. Er führte den Verein über Jahrzehnte hinweg. Just in
diesem Jahr fand das Bezirksmusikfest in Markgröningen statt. Inzwischen
war 1928 die bis 1952 unverändert gültige Satzung beschlossen und der Verein in das
Vereinsregister eingetragen worden. Weitere Satzungsänderungen bzw. Neufassungen
erfolgten in den Jahren 1954, 1984 sowie 1987. Das
10jährige Vereinsjubiläum im Jahr 1930 wurde wegen der allgemeinen Wirtschaftskrise nur
im Rahmen des alljährlichen Sommerfestes begangen. Die
vollständige Ausrichtung der Festmusik beim Schäferlauf wurde 1931 festgeschrieben.
Sie
ist heute selbstverständlich geworden. Sorgen
bereiteten dem Verein der dauernde Wechsel von Probelokalen.
Schwierige Kriegs-
und Nachkriegsjahre
Nach der Wirtschaftskrise galt es, den politischen Umschwung 1933 zu verkraften. Die musikalische Leitung lag bei Eugen Stierle, dem Mitte der dreißiger Jahre Obermusikmeister Ferdinand Henrich folgte. 1935 wurde der Blaskapelle aufgrund eines Vertrages mit der Stadt, unter Bürgermeister Krinn, das Recht zum Führen der Bezeichnung Stadtkapelle" erteilt.
1938 übernahm Paul Leuschel die Stabführung. Der weitere Aufstieg sowie die Tätigkeiten des Vereins wurden aber durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1939 jäh unterbrochen. Als dann die Besatzungsmächte 1946 eine vereinsmäßige Betätigung wieder gestatteten, ließen die Musiker nicht lange auf sich warten. Die Situation war nun ähnlich wie zur Zeit der Gründung.
Einige Vorteile bestanden darin, sich auf vorhandene Instrumente, aber auch auf Erfahrung und Können stützen zu können. Man schloß sich damals nicht der Sport- und Kulturvereinigung an, sondern entschied sich für Selbständigkeit. So entstand Ende 1946 unser Verein von neuem.
Als erster Vorstand wurde Willi Wahl gewählt und Adolf
Schneider als Dirigent eingesetzt. Er leitete den Verein musikalisch bis 1952. Im
gleichen Jahr fand die erste Weihnachtsfeier statt, und 1947 gab es ein volles
Jahresprogramm und einen kleinen Schäferlauf". Im Jahr 1949 übernimmt Richard
Egler wieder die Vereinsführung. Das
30jährige Vereinsjubiläum wird 1950 begangen, und ein Jahr später findet das Musikfest
im Bezirk V des Verbandes Süddeutscher Volksmusiker" in Markgröningen statt.
1953
kann Otto Wagner als Dirigent gewonnen werden. Der schon seit längerer Zeit in der Stadt
bestehende Spielmannszug wird 1955 dem Verein eingegliedert. Die Stadtkapelle erhält 1956
die den Schäfertanztrachten nachempfundenen Uniformen in den Stadtfarben blau/gelb.
Otto Ritz wird
Vereinsvorsitzender
30
Jahre nach seiner ersten Wahl zum Vereinsvorsitzenden gibt Richard Egler im Jahr 1957 die
Vereinsführung an Otto Ritz ab. Das
Blasorchester unternahm 1958 zusammen mit dem Schäfertanz seine erste Auslandsreise nach
Brest/Frankreich. Im
Hinblick auf das 40jährige Jubiläum im Jahr 1960 werden schon 1959 erste Kontakte zu
ausländischen Kapellen aufgenommen. 1960 erreicht dann der Verein das
Schwabenalter". Als
erste ausländische Kapelle musizieren Gäste aus Pettneu/Tirol in unserer Stadt.
Der
Musikverein Stadtkapelle und der Schäfertanz vertreten 1961 das Land Baden - Württemberg
bei der Veranstaltung Ein deutsches Land besucht eine französische Provinz" in
Niort (Poitou). Zu Pfingsten
im gleichen Jahr erfolgt der Gegenbesuch in Pettneu/Tirol.
1963
war der Verein wieder im Dienste der deutsch-französischen Freundschaft in Vesoul und
Ronchamp tätig. Im Jahr 1964 nahm das Blasorchester am Bundes-Luftschutz-Tag in Hamburg
teil. Neben
der Gastkapelle aus Almelo/Holland musizierten die Egerländer Musikanten unter Ernst
Mosch beim Sommerfest im gleichen Jahr. Das
Jahr 1965 brachte den Gegenbesuch in Almelo. Eine kleine Besetzung des Orchesters durfte
dann mit dem Schäfertanz in Schwäbisch Hall den Besuch der Englischen Königin
mitgestalten. Zum
Sommerfest kamen die Bundesmusikkapelle Hopfgarten/Tirol und die Dirndlkapelle Heerwagen
aus Kehlheim/Donau. Das
Sommerfest im Jahr 1966 bestritten neben dem Gastgeber die Trachtenkapelle Wörgl/Tirol
und nochmals die Dirndln aus Kehlheim.
Die
kulturtreibenden" Vereine in unserer Stadt gründen im Jahr 1966 den
Kulturring Markgröningen", den Vorsitz übernimmt Otto Ritz. Im gleichen Jahr
wird als Abteilung des Musikvereins die Fasnet-Gilde" gegründet.
Musik kennt
keine Grenzen
Vom
18. bis 21. August 1967 findet das "1. Internationale Musikfest" in
Markgröningen statt. Unsere ausländischen Gäste kamen aus Kalmar/Schweden. Weiterhin
wirkten mit der "Fanfarenzug des 3. Regiments Hussard" der Französischen Armee sowie
die Band der 7. US-Army.
Ein
großes Erlebnis brachte unseren Musikern der Gegenbesuch in Kaimar/Schweden im Jahr 1968.
Im selben Jahr übernimmt Musikdirektor Gilbert Haney die Leitung des Blasorchesters, der
die Gewähr für ein Wahren und Mehren des hohen Leistungsstandes
unserer Musiker gibt. Zuvor leitete Alfred Zirkel einige Jahre lang die Stadtkapelle. Zum "2. Interntionalen Musikfest" 1968 erfolgt der erste Besuch der Eisenbahnerkapelle aus
Varazdin/Kroatien in Markgröningen und am "3. Internationalen Musikfest", ein Jahr später,
nimmt zum erstenmal die Trachtenkapelle "Hana" aus Unicov/Tschechien
teil. Das
50jährige Vereinsjubiläum im Jahr 1970 vereint nicht weniger als neun Nationen in den
Mauern unserer Stadt. Musik kennt eben keine Grenzen!
Der
Verein reist 1971 nach Sdr. Felding/Dänemark und im Juni noch nach Varazdin. 1972
findet die erste Reise zum "Cannstatter Volksfestverein" nach
Philadelphia/USA statt. Im gleichen Jahr gründet Hermann Entenmann den
Fanfarenzug als 4. Abteilung des Vereins. In
den Jahren 1973 - 1975 finden rege Vereinstätigkeiten statt, unter anderem mit Reisen
nach Kalmar/Schweden, Unicov/Tschechien und Zagreb/Kroatien. Der
zweite Flug über den Atlantik an die Ostküste der Vereinigten Staaten erfolgt Anfang
September im Jahr 1976.
Auslandsreisen
nach Distroff/Frankreich und Miskolc/Ungarn folgten im Jahre 1978. Mit
einem Festabend wurde am 27. Oktober 1979 der langjährige Dirigent des
Blasorchesters Herr Gilbert Haney in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Er
wurde zum Ehrendirigenten ernannt.
Georg ter Voert
löst Gilbert Haney ab
Als
Nachfolger wurde Herr Georg ter Voert eingesetzt, der bis heute als Stadtmusikdirektor für den hohen
Leistungsstandard des Musikvereins verantwortlich zeichnet. Nebenbei
betreut er außerdem den Fanfarenzug und Spielmannszug und führte beide zu Meisterehren. Hier
muß auch Helmut Bauer, der als Vizedirigent viele Jahre unter einigen Orchesterleitern
diente", lobend genannt werden.
Am 7. und 8. Juni 1980 waren die Gründungsfeierlichkeiten "60 Jahre Blasorchester" und "50 Jahre Spielmannszug".
Der Fanfarenzug feierte am 5. und 6. Juni 1982 sein zehnjähriges Bestehen. Der Verein besucht Anholt, die Heimat unseres Dirigenten. Am 16. April 1983 wird Vorstand Otto Ritz mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes verabschiedet. Als Nachfolger wird Hans Weigel an die Spitze des Vereins gewählt.
Die
Jahre 1984 und 1985 brachten wiederum rege Vereinstätigkeiten im In- und
Ausland mit sich. Das "20. Internationale Musikfest" 1986 wurde ein großer Erfolg für den Verein und nicht
zuletzt für unsere Stadt. Der musikalische Leiter der Stadtkapelle,
"Stadtmusikdirektor Georg ter Voert" komponiert hierzu den Markgröninger
Marsch". Das Blasorchester nimmt im gleichen Jahr in Buchen/Odenwald an der
Veranstaltung Heimattage Baden-Württemberg" teil.
1987 erfolgt ein Auftritt im
Fernsehen im Rahmen der ZDF-Serie "Das Sonntagskonzert" auf dem
Marktplatz in Markgröningen. Nebenbei wurde auch noch eine Langspielplatte
produziert.
Freund- und
Partnerschaft mit Japan
Die
Jahre 1988 - 1990 bringen Auftritte im In- und Ausland sowie bei zahlreichen örtlichen
Veranstaltungen. Die "Internationalen Musikfeste", alljährlich eine Woche vor dem
Schäferlauf, bilden aber stets den Höhepunkt im Jahresablauf des Musikvereins. Ganz besonders im Jahr
1989, als wir die "Stadtkapelle Hamamatsu" aus Japan bei uns begrüßen konnten.
Hans
Weigel gibt 1990 die Vereinsführung ab. Ihm folgten jeweils in kürzeren Wahlperioden
Ehrenvorstand Otto Ritz und Manfred Decker, bis dann Ernst Erfle im Jahre 1994 den Vereinsvorsitz
übernimmt.
Das
bisher größte Unternehmen findet vom 28. März bis 9. April
1991 mit einer Konzertreise nach Hamamatsu/Japan statt. Besichtigungen
in Kyoto, Nara, Gotemba und Tokyo machen den Besuch im Land der aufgehenden Sonne für
alle Teilnehmer zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Zugleich wird ein Partnerschaftsvertrag
zwischen Hamamatsu und Markgröningen abgeschlossen und mit dem
Austausch der Urkunden besiegelt.
Der
vereinbarte Gegenbesuch bei unseren Freunden in Rosa/Italien ist im Mai 1992. Im selben Jahr nimmt der Verein am Landesmusikfest des
Blasmusikverbandes Baden-Württemberg in Tuttlingen teil.
Vom
2. bis 4. Juli 1993 findet ein weiterer Besuch in Anholt/Westfalen, der Heimat unseres
Dirigenten statt, mit der Teilnahme am dortigen 500-jährigen Schützenfest.
Höchste
Ehrungen verdient
Anlässlich
des 27. Internationalen Musikfestes wird 1993 Ehrenvorstand Otto Ritz und Helmut
Bauer (langjähriger Kassier und Vizedirigent) das „Goldene
Verdienstkreuz" vom Internationalen Musikbund (CISM) verliehen. Das Jahr
1994 wird zu einem normalen Vereinsjahr mit Teilnahme am Landesmusikfest in
Wangen/Allgäu und einem „Internationalen Musikfest".
Viele
Aktivitäten zielen aber schon auf das Jubiläumsjahr 1995 ab.
Die
allen verständliche Sprache der Musik möge dem 75-jährigen Vereinsjubiläum,
verbunden mit dem „29. Internationalen Musikfest“ zur Freude und Stärkung
des Vereins, zur Freude aller Teilnehmer und aller Besucher aus Nah und Fern
dienen.
1995
war ein Highlight in der Geschichte des Musikvereins. Es entstand eine CD mit
unseren musikalischen Freunden aus Hamamatsu/Japan, Hyvinkää/Finnland,
Budapest/Ungarn und Unicov/Tschechien.
1996
unternahm das Blasorchester und der Spielmannszug eine Auslandsreise in den
europäischen Norden und zwar nach Hyvinkää/Finnland. Ein Erlebnis besonderer
Güte.
Zum
30. Internationalen Musikfest hatten wir Gäste aus Szentes/Ungarn und ein
Orchester aus Belgien. Erstmals fand anstatt der Jahresfeier ein Buntes
Herbstkonzert statt. 1997 veranstaltete der Musikverein zum erstenmal die
Trautwein-Hocket'se, unter anderem mit musikalischen Gästen vom Bodensee. Zum
31. Internationalen Musikfest waren Gäste aus Gaschurn/Partenen und aus
Oensingen/Schweiz in Markgröningen. Zum erstenmal veranstaltete der Musikverein
den „Markgröninger Herbst" der beim Publikum großen Anklang fand. 1997
ging eine Konzertreise nach Distroff/Frankreich. In der Adventszeit
veranstaltete der Musikverein ein Benefiz-Konzert in der St. Bartholomäuskirche.
Das Adventskonzert fand einen solchen Anklang beim Publikum, dass das
Blasorchester zukünftig jedes Jahr ein solches Konzert veranstalten wird. Zum
32. Internationalen Musikfest hatten wir Gäste Matzendorff/Schweiz und Distroff/Frankreich.
1998 unternahmen wir eine Konzertreise nach Szentes/Ungarn. Auch fand wieder die
Trautwein-Hocket'se statt. 1999 veranstaltete der Musikverein Stadtkapelle
Markgröningen, als Nachfolge der Trautwein-Hocket'se, ein Open Air Konzert im
Schlosshof des Helene-Lange-Gynasium. Auch in diesem Jahr waren wir auf Reisen,
und zwar nach Unicov/Tschechien.
Eine Besonderheit in den letzten Jahren beim Internationalen Musikfest waren jedesmal die Auftritte der amerikanischen Militärkapelle aus Schwetzingen/Heidelberg.